bayerischer wald 

Wind-Konzept für Neukirchen b. Hl. Blut diskutiert

Fast 30 Bürgerinnen und Bürger folgten am 10. Oktober 2011 der Einladung des Agenda21-Beauftragten Markus Müller, um über ein Energie-Konzept und insbesondere über mögliche Standorte für Windkraftanlagen im Gemeindebereich zu diskutieren. Alle Teilnehmer – darunter auch Markt- und Kreisräte – sprachen sich dafür aus, am Grenzgürtel zwischen Stangenruck, Hoher Stein und Hanger sowie südöstlich von Helmhof, Neurittsteig zum Tanneneck hin entsprechende Vorrangflächen auszuwiesen. Nur drei Teilnehmer sprachen sich für Windräder auf dem Hohenbogen aus.
“Die Energiewende muss uns gelingen, weil alle fossilen Brennstoffe begrenzt sind. Und sie wird uns zügig gelingen, wenn wir das als Bevölkerung auch wirklich wollen”, zeigte sich Markus Müller vom notwendigen Ausbau Erneuerbarer Energien überzeugt. Schon jetzt würden im Landkreis fast 40 Prozent des benötigten Stroms vor Ort regenerativ erzeugt , wobei Biogasanlagen daran einen Anteil von rund 45 Prozent, Photovoltaik rund 37 Prozent und Wasserkraft rund 11 Prozent ausmachen. Nach eON-Angaben wurden 2010 in der Marktgemeinde Neukirchen b. Hl. Blut bei einem Gesamtstromverbrauch von 11.607.011 kWh 1.774.505 kWh (15%) durch Photovoltaik und 196.681 kWh (1,7%) durch Wasserkraft erzeugt. Während landkreisweit Wasserkraft, Biogas und Biomasse bereits sehr gut genutzt und nicht mehr allzusehr ausgebaut werden kann, gäbe es bei der Photovoltaik und vor allem beim Wind, der auch nachts und bei bedecktem Himmel weht, noch erhebliches Potential. Ein Blick in die Unterlagen des Sachverständigenrates für Umweltfragen der Bundesregierung wird deutlich, dass spätestens ab 2050 der Strom in Deutschland ausschließlich regenerativ erzeugt werden soll, wobei die Windkraft einen besonders hohen Anteil bringen soll. Dies könne aus Verteilungsgründen nicht nur vor den Küsten erfolgen, auch im Binnenland müssten dafür zahlreiche Windkraftanlagen entstehen. Um den Anteil erneuerbarer Energie im Landkreis bis zum Jahr 2020 auf 60 Prozent zu steigern, ist nach Angaben des Zukunftsbüros der Kreiswerke ein Zubau von weiteren 3.400 Photovoltaikanlagen sowie von zwölf bis fünfzehn Windkraftanlagen erforderlich, wobei an einem günstigen Standort auch mehrere Windräder gebaut werden könnten.

Landrat Franz Löffler stehe der Nutzung von Windkraft absolut aufgeschlossen gegenüber. Um allerdings unkoordinierte Schnellschüsse und eine “Verspargelung” der Landschaft zu vermeiden, fordert der Landrat nach Müllers Worten zurecht eine geordnete Planung möglichst über Gemeindegrenzen hinweg. Aus diesem Grund gab es bereits vor einigen Wochen eine erste Besprechung der Bürgermeister aus den Gemeinden um den Hohenbogen im Neukirchener Rathaus. Ein nächster Termin steht am 18. Oktober an. Kreisbaumeisterin Gabriele Berlinger informierte über die rechtlichen Grundlagen. So seien Windkraftanlagen im Außenbereich privilegiert und grundsätzlich an jedem Standort zu genehmigen, sofern die Abstandsflächen eingehalten und keine Ausweisung von Vorrang- oder Konzentrationsflächen im Flächennutzungsplan der jeweiligen Gemeinde oder zusammen mit den Nachbargemeinden erfolgt ist.  Anlagen bis 50 Meter Gesamthöhe würden als Bauantrag bei der Gemeinde behandelt, darüber sei das Landratsamt zuständig. Einem interessierten Investor müsste binnen Jahresfrist eine Entscheidung über seinen Antrag mitgeteilt werden.

“Ans Eingemachte” ging es, als Markus Müller auf einem Lageplan die nach dem bayerischen Windatlas geeigneten “windhöffigen” Flächen in der Marktgemeinde zeigte, die von einer Wohnbebauung mindestens einen Kilometer entfernt sind und bat die Anwesenden um ihre Meinung dazu. Während nur drei Anwesende für die Ausweisung von Vorrangflächen auf dem Hohenbogen votierten, stimmten alle Anwesenden für Flächen am Grenzgürtel zwischen Hofberg und Geleitsbach sowie im Bereich Helmhof/Neurittsteig. Einhellig war auch die Meinung, von der punktuellen Ausweisung weiterer Standorte abzusehen. Dieses Meinungsbild soll nach Angaben des Vizebürgermeisters in die weiteren Beratungen einfließen.  

Kreisrat Sepp Riederer nutze die Gelegenheit, die noch von Landrat Zellner angeregte und im letzten Jahr gegründete Energie-Genossenschaft im Landkreis Cham vorzustellen. Hier könnten sich Bürgerinnen und Bürger am Ausbau regenerativer Energie finanziell beteiligen. Während bisher vor allem in Photovoltaik investiert wurde, ist die Genossenschaft derzeit auf der Suche nach einem geeigneten und von der Bevölkerung akzeptierten Standort für eine große Windkraftanlage, der Kosten bei drei bis vier Millionen Euro liegt. Die Mindesteinlage beträgt 300 Euro, maximal 60 Anteil könnten pro Person erworben werden. “So bleibt das Stromgeld aus der Region in der Region”, so der ehrenamtliche Aufsichtsrat der Energie-Genossenschaft. Markus Müller bekräftigte dies und wies vor allem auf die hohe Kompetenz von Genossenschafts-Vorstand Franz Zollner hin. “Ich bin absolut davon überzeugt, dass hier gute Arbeit für unseren Landkreis geleistet wird”, so der Neukirchener Markt- und Kreisrat.

Windatlas als Diskussionsgrundlage
Vizebürgermeister Markus Müller und Kreisrat Sepp Riederer zeigen die Flächen in der Marktgemeinde Neukirchen b. Hl. Blut, die nach dem Windatlas mit 1000 Metern Abstand zur Wohnbebauung als Standorte für Windkraftanlagen in Frage kommen.
Foto: Altmann, Bericht: Müller


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