bayerischer wald 

Hinterglasbilder von Josef Weber in der Wachskunstgalerie

wbz hinterglasbilder weber2019Im „Haus zur Aussaat“, dem grenzüberschreitenden Wallfahrts-, Begegnungs- und Umweltbildungszentrum im Nordflügel des Neukirchener Franziskanerklosters, ist auch die sehenswerte Wachskunstgalerie mit den beeindruckenden, feinen Werken von Annemarie Filzmann-Kerschensteiner untergebracht. Derzeit werden dort zusätzlich einige Hinterglasbilder von Josef Weber, einem Nachfahren der bekannten „Stoiber-Maler“, präsentiert.

 

Bei der Hinterglasmalerei wird mit einer spiegelverkehrt gezeichneten Vorlage (Riss) gearbeitet, die unter die Glasplatte gelegt wird. Die Umrisse der Darstellung werden auf das Glas übertragen und danach die leeren Flächen ausgefüllt. Eine besondere Herausforderung ist, dass der Hinterglasmaler keine Möglichkeit hat, zu korrigieren. Er muss fehlerfrei zuerst auf das Glas bringen, was beim üblichen Malverfahren zuletzt gesetzt wird (Konturdetails, Lichter und Schatten). Die zuerst aufgetragene Farbe bleibt immer sichtbar.
Die beiden Hinterglasmaler-Standorte Neukirchen b. Hl. Blut und Haibühl erreichten überregionale Bedeutung und sind heute unter der zusammenfassenden Bezeichnung „Neukirchener Schule“ bekannt. Der lebhafte Wallfahrtsbetrieb in Neukirchen b. Hl. Blut brachte eine rege Nachfrage nach religiöser Gebrauchsmalerei mit sich. Seit Mitte des 18. Jahrhunderts ist die Hinterglasmalerei in Neukirchen b. Hl. Blut nachweisbar. Als Begründer der „Neukirchener Schule“ wurde bisher Johann Georg Wittmann (1715 – 1771) angesehen. Neue Ergebnisse von Heimatforscher Ludwig Baumann ergaben, dass Wittmann wohl von Joseph Stadlwieser (1688 – 1740), der aus Österreich eingewandert und in Lam als Maler tätig war, die Technik erlernte. Andreas Stoiber (1778 – 1857) begann die Haibühler Malerwerkstätte. Die Malerfamilien Wittmann und Stoiber betrieben die Hinterglasmalerei jeweils vier Generationen lang und entwickelten einen eigenen Stil.
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts waren die Hinterglasmaler schließlich der Konkurrenz durch die billigeren Farbdrucke nicht mehr gewachsen. Die „Stoiber-Maler“ sind aber noch heute ein Begriff in der hiesigen Bevölkerung. Josef Weber war ein Urenkel von Andreas Stoiber. Er lebte zuletzt in Mitterdorf bei Roding im Landkreis Cham. Die Hinterglasmalerei, die er hauptsächlich erst im Rentenalter ausübte, erlernte er bei seinem Cousin Josef Kuchler (1874–1948) in Lam. Kuchler, bekannt als der „Schlossermaler“, hatte einen Teil des Inventars und der Vorlagen aus der Stoiber-Malerwerkstatt übernommen.

Die ausgestellten Bilder wurden 2018 für die Sammlung des Wallfahrtsmuseums Neukirchen b. Hl. Blut erworben, in dem eine eigene Abteilung zur Neukirchener Hinterglasmalerei eingerichtet ist.

Öffnungszeiten der Wachskunst-Galerie:

Mai bis Oktober:
Jeden Dienstag, Donnerstag und Sonntag:
14 Uhr bis 17 Uhr

Wallfahrts-, Begegnungs- und Umweltbildungszentrum, Klosterplatz 1

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