bayerischer wald 

Gudrun Linn: Historische Textilien (Okt. 2012 - 07. April 2013)

Christliche Motive, gestickt auf historischen Textilien aus der Sammlung von Gudrun Linn, präsentiert das Neukirchener Wallfahrtsmuseum ab Donnerstag, 18. Oktober 2012.

Auch die Facette der christlichen Motive aus der umfangreichen Sammlung gewährt einen Einblick in das Leben und Wirken von Mädchen und Frauen der vergangenen zwei Jahrhunderte und zeigt die Produkte fleißiger weiblicher Hände. Zur Ausbildung der Mädchen, ob zu Hause oder in der Schule, gehörte das Erlernen der verschiedenen  Handarbeitstechniken, wie schmückende Nadelarbeit, Nähen, Flicken, Stricken, Häkeln und Vieles mehr. Diese Techniken wurden an einem Mustertuch erlernt und geübt, das später als „Nachschlagewerk“ diente.

KelchAuf vielen der in Süddeutschland und Österreich entstandenen Stickmustertüchern sind christliche Motive dargestellt. Diese oft farbenfrohen Bilder und Buchstaben, auf kunstvoll mit Kreuz-, Platt- oder Stielstich bestickten Tüchern, waren die Vorlagen für das Besticken von Überhandtüchern, Wandbehängen, Altar-, Kelch-, Verseh- und Sargtüchern und Votivbildern.
Ein Verseh- oder Sterbetuch war fester Bestandteil der Aussteuer und fehlte in keinem katholischen Haushalt. Bestickte Fronleichnamstücher schmückten die Fenster frommer Bürger, an deren Häusern die Prozession vorbei ging. Auch Heiligen- und Marienbilder für den Herrgottswinkel, sowie Schutzengelbilder über dem Bett, wurden, meist nach käuflichen Vorlagen, in Gobelinstich gestickt. Diese Gobelinstickbilder fertigten Frauen auch in Heimarbeit zum Broterwerb. In vielen Haushalten war ein auf Lochkarton gestickter Haussegen zu finden. Gebete und Sprüche mit religiösem Inhalt zierten viele Wandbehänge. Die meisten der genannten Textilien waren für den Hausgebrauch bestimmt. Mädchen in Klosterschulen und Nonnen, aber auch Frauen, die der Kirche nahe standen, bestickten, mit viel Fleiß und meist mit rotem Garn, große und kleine Altartücher. In vielen Kirchen, wie auch in der Neukirchener Wallfahrtskirche, sind wunderbare gestickte Votivbilder zu sehen. Nicht zu vergessen die prachtvoll bestickten Kirchengewänder.

Jesukind

Gudrun Linn, Fachlehrerin für Textilarbeit, sammelt seit über 40 Jahren historische Textilien.

HerzDas Interesse für dieses Sammelgebiet wurde früh geweckt, durch zwei Stickmustertücher aus dem zaristischen Russland, die von ihrer Ururgrossmutter als Kind gestickt wurden. Während des Studiums zur Fachlehrerin für Textilarbeit wurde die Sammelleidenschaft durch das Verfassen der Facharbeit mit dem Thema „Mustertuch“ angefacht. Es gab kaum einen Flohmarkt in und um Deutschland, der nicht besucht wurde. Jetzt macht das Internet das Sammeln leichter. Die Sammlung umfasst inzwischen weit über tausend Exponate, die zwischen 50 und 250 Jahre alt sind. Fein säuberlich zwischen Seidenpapier und Mottenstrips liegen die Sammelobjekte in Mappen, Schachteln, Schubladen, Truhen und Schränken. Etliche haben aber auch, im Rahmen hinter Glas, ihren Platz gefunden.

Der Lebenstraum der Sammlerin ist es, die Sammlung in einem Museum ständig präsentieren zu können. Diesem Ziel ist sie mittlerweile sehr nahe. Im kommenden Jahr wird Gudrun Linn in Blaibach das Museum „Frauenfleiß“ eröffnen.

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